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Ruth Hoffmann hat das erste Buch zum Thema geschrieben:

Stasi Kinder - Aufwachsen im Überwachungsstaat

Wir, als Kinder von ehemaligen Mitarbeitern des MfS können jeder/jedem Interessierten dieses Buch nur empfehlen.

Die ISBN: 9783548611693 

Hier und im Buchhandel können Sie dieses Buch erwerben.


Dieses Buch von Ruth Hoffmann hat für unsere Gruppe eine ganz besondere Bedeutung

Als ich im Sommer 2013 das Buch „Stasikinder – Aufwachsen im Überwachungsstaat“ von Ruth Hoffmann las, befand ich mich schon 2 Jahre in tiefenpsychologischer Behandlung und hatte meine Kindheit in der DDR reflektiert und war gerade dabei, mich mit meinem Vater seinen beharrlichen und festen Standpunkt bezüglich der Parteipolitik der SED auseinander zu setzen. Ich wusste, dass jeder Versuch mit ihm darüber zu reden, absolut aussichtslos war. Es war bis zu seinem Tod kein Reden darüber möglich, Dies stimmte mich traurig.

Es waren sehr viele Ähnlichkeiten, die mich stutzig machten und ich wollte mehr über diese Kinder wissen. Ich wollte sie kennenlernen, um mich mit ihnen austauschen zu können über ihr Erleben und dem Umgang heute mit ihrer Vergangenheit. Ich hatte niemanden außer meinen Therapeuten, der mich bei diesem Weg der Aufarbeitung begleitete. Alle wandten sich von mir ab, je mehr ich mich klar und deutlich über meine heutige Wahrnehmung öffentlich äußerte. Dennoch hielt ich diesen Weg für den einzig gangbaren. Denn ich wollte immer nur Gutes tun für unser Land und war darüber blind geworden, um wahrnehmen zu können, was wirklich in unserem Land passierte. Ich verstand es nicht, weshalb man die DDR ein Unrechtsstaat nannte.

Ich kontaktierte Ruth Hoffmann in meinem ersten Brief am 05.11.2013.

Ich bekam sehr rasch eine Antwort, die den Gedanken der Gründung unserer Selbsthilfegruppe für Stasikinder, deren Eltern bei oder für den Staatssicherheitsdienst der DDR gearbeitet haben, quasi ins Leben gerufen hat.

Am 11.11.2013 schrieb Ruth Hoffmann zurück:

Nur eines schon Mal vorab: Eine Stasikinder-Gruppe gibt es leider (noch?) nicht. Aber ich kenne inzwischen etliche Betroffene, die genau wie Sie am Austausch mit anderen interessiert sind. Da kann ich gern den Kontakt herstellen. Sie alle schlagen sich mit denselben Sorgen, Fragen und Ängsten herum, die eine mehr, der andere weniger. Und alle stellen fest, dass es ihnen hilft, zu sehen, dass es anderen so geht wie ihnen. Bezeichnenderweise glauben die meisten, sie seien allein... Liebe Frau Keilholz, Sie sind es nicht! Gerade in Berlin nicht. Da leben die meisten "Stasikinder", die ich kenne. 

Also ich wusste nicht so recht, ob ich einer Journalistin wirklich trauen kann, ich hatte Angst vor einem Kontakt mit ihr. Was wird sie aus deinen Worten machen? Wird sie mich überhaupt verstehen, kann sie dies überhaupt? Ich zweifelte hin und her, ob ich diesen Kontakt wirklich will. Ich hatte einfach nur Angst vor der Wahrheit, Angst davor erkennen zu müssen, dass alles was ich über die Stasi erfahren habe, wirklich wahr sein muss. Wie sollte ich mit diesem Wissen umgehen? Wer kann meine vielen Fragen beantworten? Die Fragen quälten mich noch eine ganze Weile und immer wieder las ich den einen Satz aus Ruths Brief:

„Eine Stasikinder-Gruppe gibt es leider (noch?) nicht.“

Meine Suche nach Gleichgesinnten lief ins Leere, weil niemand sich mit mir darüber auseinandersetzen wollte. Keiner in meinem persönlichen Umfeld wollte sich mit dieser Vergangenheit beschäftigen.

Ich sah nur einen Ausweg:

Ich muss eine Selbsthilfegruppe ins Leben rufen und Ruth Hoffmann könnte mein Schlüssel dazu sein.

Sie hat Kontakte zu dieser Zielgruppe und ist bereit, mich an einzelne „Stasikinder“ zu vermitteln.

Somit hat Ruth Hoffmann einen maßgeblichen Anteil daran, dass es diese Gruppe gibt.

Viele unserer Mitglieder haben ihr Buch bereits gelesen und sich selbst in vielen Dingen wiedergefunden.

Seit November 2013, als die Idee  eine Selbsthilfegruppe zu gründen, geboren wurde, war ich ständig auf der Suche nach Mitgliedern. Im Dezember 2014 fand ich den ersten, der auch bereit war, sich nicht nur virtuell, sondern live mit anderen auszutauschen. Tatsächlich habe ich die Gruppe im Mai 2014 bei SEKIS in Berlin - Charlottenburg angemeldet und erst im Mai 2015 gab es das erste Treffen, von damals 4 Mitgliedern.

Bis Januar 2017 ist die Gruppe auf 15 Mitglieder angewachsen.

M. Keilholz, Gründerin der Selbsthilfegruppe

Ruth schrieb uns diesen Brief:

 

 

 

 

Liebe Stasikinder,

(ihr wisst hoffentlich, dass diese Anrede in keinster Weise abfällig gemeint ist – im Gegenteil…)

Wie gern wäre ich heute in Berlin, um bei dem Treffen mit Professor Freyberger dabei zu sein, vor allem aber, um euch alle endlich einmal kennenzulernen! Aber schon als Manuela mir damals den Termin nannte, war ich skeptisch: Er liegt leider mitten in den Schulferien, und es ließ sich bei uns einfach nicht anders einrichten, als in der zweiten Woche wegzufahren (was wir alle gerade sehr nötig haben…). Ich hoffe, ihr habt dafür Verständnis. Ich verspreche, so bald wie möglich zu einem eurer Treffen zu kommen. Ich bin im Moment nur einfach noch nicht wieder so flexibel wie ich es gern wäre – mit einem Schul- und einem Kleinkind und einem Mann, der zurzeit beruflich öfter unterwegs ist. Aber ich habe mir schon alle kommenden dritten Donnerstage im Kalender eingetragen und bemühe mich, bald einen davon konkret festzuklopfen, ok?

Ich finde es großartig, dass es euch als Gruppe gibt! Was ihr da macht, ist mutig und unheimlich wichtig – nicht nur für euch, sondern für die ganze Gesellschaft. Ich hoffe sehr, dass euer Beispiel auch in anderen Städten Schule macht, denn ich bekomme immer wieder Post von Betroffenen, denen es hilft zu sehen, dass sie mit ihren Fragen, ihrer Scham und ihren oft traumatischen Erlebnissen nicht alleine dastehen. Ich bin überzeugt davon, dass das Thema relevant ist und bleibt, und ich werde mich weiterhin dafür einsetzen, dass es die Öffentlichkeit bekommt, die es verdient. Nicht zuletzt, weil jede Veröffentlichung wieder neue „Kinder“ auf die Spur bringt, sich mit anderen Betroffenen zusammenzutun und Mut macht, sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen. Falls ihr also Ideen habt, was man in dieser Richtung noch machen könnte: immer her damit!

Am 29. März bin ich übrigens in der Landesvertretung Sachsen-Anhalt in Berlin bei einer Podiumsdiskussion zum Thema „Lebenswelt der Stasi“. Mit dabei ist der Historiker Jens Gieseke, einer der Experten zur Stasi überhaupt. Er hat mir als ich damals am Buch arbeitete mit Engelsgeduld meine Fragen beantwortet. Möglicherweise kommt sogar Roland Jahn. Also wenn ihr Lust habt, kommt doch vorbei – um 19.00 Uhr geht es los. Ich würde mich sehr freuen! Die Adresse ist: Luisenstraße 18.  

Und jetzt wünsche ich euch einen interessanten Nachmittag mit Professor Freyberger und Frau Schmidt! Manuela hat erzählt, dass sich auch einige von euch als Gesprächspartner für die Studie zur Verfügung gestellt haben – großartig!

Bis hoffentlich ganz bald, seid lieb gegrüßt, ganz herzlich aus Hamburg:

Ruth